Zeigen, was in Europa steckt

Young Euro Classic 2015:

1500 junge Künstler, 44 Nationen, 18 Orchester

Berlin, 4. August 2015 Selten ist in Politik und Öffentlichkeit so leidenschaftlich über ein Thema diskutiert worden wie in diesem Jahr über Europa. Und so ist es nur konsequent, dass Young Euro Classic in seiner 16. Ausgabe zu dieser Debatte mit seinen Mitteln beitragen will: intelligent, kreativ und eigenwillig, mit exzellenten jungen Künstlern und vielfältigster Musik.

Vom 6.-23. August präsentieren sich 1500 junge Musikerinnen und Musiker im Berliner Konzerthaus dem so besonderen Young Euro Classic-Publikum. Sie kommen aus über 40 Nationen, doch bis auf das Guangzhou Youth Orchestra aus China stehen alle teilnehmenden Ensembles für Länder, die schon zur EU gehören, zu ihren östlichen Partnerschaftsländern oder – wie Israel und die Türkei – ganz enge, wenn auch keineswegs spannungsfreie Beziehungen zu EU-Europa haben. Sich ein Bild davon zu machen, wie diese jungen Künstler die Werte und das kulturelle Erbe, die Gegenwart und die Zukunft Europas interpretieren, wird zu den besonderen Erlebnissen dieses Festival-Sommers gehören.

An 18 Abenden treten die Besten des internationalen Orchesternachwuchses mit- und gegeneinander an. Große Symphonien treffen auf erstklassigen Jazz, Klavier auf Tanz, Vivaldi auf Pink Floyd. Zum Geist des Festivals gehört, wie immer, das „Unerhörte“: klassisch bis modern aus den jeweiligen Heimatländern der Orchester. Oft sind es Werke, die man hierzulande kaum zu hören bekommt und die nicht selten mit einer ungeahnten Fülle musikalischer Ausdrucksmittel überraschen. Außerdem bringen junge zeitgenössische Komponisten „Ungehörtes“ mit: Ur- und Deutsche Erstaufführungen – auch das gehört zum Kanon von Young Euro Classic. Insgesamt neun sind in diesem Jahr für den „Europäischen Komponistenpreis“ nominiert, der vom Regierenden Bürgermeister von Berlin ausgelobt wird.

Europa zeigt, was in ihm steckt

Weimar – ein Ort, der Europa seit der Aufklärung geprägt hat, der im 20. Jahrhundert aber auch zum Symbol des Unmenschlichen wurde, bestimmt den Auftakt des diesjährigen Festivals (6.8.): In Weimar hat sich vor vier Jahren das Young Philharmonic Orchestra Jerusalem Weimar gegründet. Es besteht aus Musikstudenten der Konservatorien beider Städte und geht alle zwei Jahre mit einem gemeinsam einstudierten Programm auf Reisen. Im 50. Jahr der diplomatischen Beziehungen zwischen Deutschland und Israel spielt das Orchester unter dem Dirigenten Michael Sanderling bei Young Euro Classic die 2. Symphonie des deutsch-jüdischen Komponisten Kurt Weill, Stücke von Tschaikowski und Schostakowitsch und, als Uraufführung, ein Werk des jungen israelischen Komponisten Ziv Cojocaru.

Von ganz besonderer Bedeutung ist der Auftritt des vom Festival initiierten Young Euro Classic Friedensorchesters am Abschlussabend (23.8.). Es gab im Vorfeld große Skepsis, ob es ohne politische Verwicklungen gelingen würde, junge Musiker aus Russland und der Ukraine in einem Orchester miteinander spielen zu lassen. Unter der Leitung von Enoch zu Guttenberg, der seinen Chor der KlangVerwaltung mitbringt, werden junge Russen, Ukrainer, Armenier und Deutsche zum Young Euro Classic Friedensorchester, studieren gemeinsam acht Tage lang in Berlin die 9. Symphonie von Beethoven ein.

„Dieses Projekt in einer solch schwierigen politischen Situation zu realisieren ist auch für Young Euro Classic ziemlich einzigartig“, sagt Festival-Chefin Dr. Gabriele Minz. „Dieser Festival-Abschluss 2015 hat einen hohen Symbol- und Signalwert für das, was wir mit Young Euro Classic wollen“.

Unterstützt wird das Projekt vom Auswärtigen Amt, Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier hat die Schirmherrschaft übernommen.

Die jungen Ukrainer, die beim Friedensorchester mitwirken, sind eine Woche zuvor (14.8.) schon einmal zu hören – dann mit ihren Kolleginnen und Kollegen vom Symphonieorchester der Tschaikowski Musikakademie Kiew, die direkt am Majdan liegt. In Kiew, Hauptstadt eines Landes, das weithin im Kriegszustand und am Rande des wirtschaftlichen Zusammenbruchs lebt, hat die Musik in den letzten Jahren keine Hauptrolle gespielt. Umso wichtiger war es den jungen Künstlern, zu Young Euro Classic zu kommen und zu zeigen, dass sie noch da sind und sich nicht unterkriegen lassen. Das Geld ist knapp, die staatlichen Mittel wurden gekappt. Aber sie kommen – auch mit Hilfe einer Crowdfunding-Kampagne, die Young Euro Classic mit großem Erfolg in Deutschland für sie gestartet hat: http://igg.me/at/hierspieltdiezukunft Mit Tschaikowskis 2. Symphonie, der „Ukrainischen“ wird es ein Abend der großen ukrainischen Tradition.

Über drei Kontinente geht die musikalische Reise des Bundesjugendorchesters (9.8.), dessen Auftritte seit jeher zu den Höhepunkten von Young Euro Classic zählen. Deutsch mit Beethoven, europäisch mit Mendelssohns „Italienischer“, amerikanisch mit Aaron Copland und asiatisch mit einer Uraufführung der mongolischen Komponistin Zulan.

 

Nordeuropäisch weit und wohlklingend zeigen sich die Ungdomssymfonikerne aus Norwegen (13.8.), einem Land, das für seine Liebe zur klassischen Musik und für die intensive Förderung junger Musiker bekannt ist. Sie spielen neben Sibelius auch Mahler – die Symphonie Nr.1, „Titan“ – ein Naturrausch, auf dem Orchesterpodium zelebriert.

Die Georgier kommen mit einem Geburtstagsgeschenk und ehren bei Young Euro Classic zwei Jubilare zu ihrem 80.Geburtstag. Weltweit werden sie als große Persönlichkeiten der zeitgenössische Musik gefeiert: der Este Arvo Pärt und der Georgier Giya Kancheli, interpretiert vom New Georgian Philharmonic (22.8.).

Herausragend ist in diesem Jahr die Präsenz von Musikern aus dem Osten. Dafür steht ganz besonders das I,Culture Orchestra, das junge Künstler aus der Ukraine, Polen, Moldau, Georgien, Belarus, Aserbaidschan und Armenien vereinigt (20.8.).

Im Vergleich zu solchen Dimensionen in einem einzigen Klangkörper ist es aus Europa über den Bosporus in die Türkei nur ein kleiner Sprung: Die Nationale Jugendphilharmonie der Türkei hat mit ihrer überbordenden Spielfreude das Young Euro Classic-Publikum schon mehrfach begeistert und will genau das wieder schaffen (16.8.).

Der Künstlerische Leiter von Young Euro Classic, Dr. Dieter Rexroth, fasst zusammen: „Die Musik, die die jungen Musiker während der 18 Tage Festival spielen, ist jung und alt; vieles davon, was Menschen schon vor uns gehört, geschätzt, geliebt haben –  in guten und in schlechten Zeiten. Darin liegt die Kraft und die Macht von Musik. Und das ist es, was sie uns mitteilen: Sie glauben an die Macht des Menschlichen, die daraus spricht.“

 

Vier Debütanten und das Jahr der Frauen

Gleich vier nationale Jugendorchester geben dieses Jahr ihr Debüt bei Young Euro Classic. Sie kommen aus Großbritannien, Portugal, Rumänien und China.

Das National Youth Orchestra of Great Britain (10.8.) ist nicht nur das älteste, sondern auch das größte der Welt! Nicht, weil einst Sir Simon Rattle dort Schlagzeuger war, sondern weil es sage und schreibe 164 Musiker im Alter von 13 bis 19 Jahren zählt. Mit 115 von ihnen wird die Bühne des Konzerthauses aus den Nähten platzen. Die jungen Briten haben Mahlers 9. Symphonie im Gepäck und Sir Mark Elder am Dirigentenpultjubelverdächtig…

Das Jovem Orquestra Portuguesa verwöhnt das Publikum mit Mozart und Strawinski und überrascht mit einer Uraufführung von Pedro Lima Soares, einem gerade mal 21-jährigen portugiesischen Komponisten.

Das Romanian Sinfonietta Orchestra (19.8.), das sich den Meisterwerken des romantischen und klassischen Repertoires verschrieben hat, tritt in große Fußstapfen: Es ist das jüngere Schwesterensemble des bei Young Euro Classic mehrfach umjubelten Nationalen Jugendorchesters Rumäniens.

Und dann noch China: das Guangzhou Youth Orchestra aus dem südlichen Kanton (15.8.) kommt mit einer erst 31 Jahre jungen Chefdirigentin: Huan Jing. Und sie ist nicht die einzige, die das Festival in diesem Jahr besonders weiblich aussehen lässt.

Dem männlich geprägten Klassikbetrieb Beine zu machen – das gehört zu den besonderen Merkmalen von Young Euro Classic 2015.

Zu erleben sind: Zwei Dirigentinnen, drei Komponistinnen und sieben Solistinnen. (Zu diesem Thema gibt es ein Sonderblatt in der Pressemappe)

Die zweite Dirigentin ist ebenfalls eine Chinesin. Es ist die von Los Angeles bis Mailand vielgefragte Xian Zhang. Sie leitet das European Union Youth Orchestra (11.8.) und bringt für dieses Konzert programmatisch passend ein großes europäisches Thema zum Klingen: Schostakowitschs
5. Symphonie, die das zerrissene 20. Jahrhundert widerspiegelt.

Grenzen überwinden und Grenzen sprengen

Grenzen überwinden und Brücken schlagen. Darin geübt ist das Moritzburg Festival Orchester (17.8.), das junge Spitzentalente aller Kontinente vereint. Sie kommen mit zwei Highlights von Mozart und Beethoven und zeigen, wie weit die europäische Klassik die Orchesterkultur in der ganzen Welt prägt.

Das Nationaal Jeugd Orkest (NJO) aus den Niederlanden ist vor allem mit seiner Sommerakademie ein international gefragter Treffpunkt für junge Musiker aus Europa und weit darüber hinaus geworden. Ihr Markenzeichen: Überraschungen und Raritäten. Diesmal u.a. Leonard Bernstein und ein Posaunenkonzert des US-Amerikaners Christopher Rouse (18.8.).

Grenzen des Genres überschreitet in guter Tradition John Neumeiers Bundesjugendballett (7.8.), diesmal mit Tänzern des Londoner Just Us Dance Theatre. Das Programm oszilliert zwischen digitaler Zukunft und technologischer Allgegenwart, es versucht unsere Identitäten in Zeiten unendlicher Reproduzierbarkeit zu fassen. Es säuselt die virtuelle Handy-Assistentin Siri in der Choreographie von Pascal Schmidt, zu einem Stück von Philipp Glass wird der Algorithmus zum Pulsschlag, bei Guillaume Connesson eine ganze Technoparade.

Vielleicht noch unkonventioneller: das O/Modərnt Kammarorkester aus Schweden (8.8.). Sie nennen sich „unmodern“ (so die Übersetzung des Orchesternamens), erfinden aber unter der Leitung des Geigers Hugo Ticciati alles neu, mischen Vivaldi mit Metallica, Pink Floyd und Muse Dream Theater. Musikalischer Wahnsinn.

Grenzen sprengen darf auch er: „Mr. Red Horn“, der legendäre schwedische Jazzposaunist Nils Landgren, ist zum zweiten Mal Gast bei Young Euro Classic und erprobt die Grenzen zwischen Klassik und Jazz. Außer ihm – alle Solisten weiblich: vier junge Jazzerinnen aus Schweden und Deutschland. Sie spielen zusammen mit dem erst im letzten Jahr gegründeten c/o chamber orchestra (21.8.), das von ehemaligen Mitgliedern des Baltic Sea Youth Philharmonic gegründet wurde, Werke aus den 1920er Jahren.

Am Vorabend kann man Nils Landgren und die Solistinnen als Young Euro Classic Jazz Quartett bei einem „Preview-Konzert“ im berühmten Berliner Jazz-Club A-Trane erleben (20.8. um 21 Uhr!)

Young Euro Classics besonderer Dank gilt dem Konzerthaus Berlin, welches dem Festival seit dem Jahr 2000 eine wunderbare Heimat und eine großartige Zusammenarbeitet bietet. Nach den zwei spannenden, erfolgreichen „Ausflügen“ 2014 freut sich das Festival an seinen Stammort zurückzukehren.

Finanziert wird das Festival durch Stiftungen, Sponsoren und durch viele Privatpersonen, die sich als Fans von Young Euro Classic der Spendenkampagne angeschlossen haben – und natürlich wesentlich durch die Ticketeinnahmen.

Hauptpartner sind der Hauptstadtkulturfonds und die KfW Bankengruppe. Deren Vorstand, Dr. Ulrich Schröder, begründet sein Engagement: „Um ihre gemeinsame Leidenschaft für die Musik mit uns allen zu teilen, kommen junge, talentierte Musikerinnen und Musiker aus der ganzen Welt bei Young Euro Classic zusammen. Im Gepäck haben Sie dabei neben klassischen Schönheiten immer wieder auch zeitgenössische Werke aus ihren Ländern. Dieser kulturellen Vielfalt eine Bühne zu bieten, ist uns ein Herzensanliegen. Wir freuen uns daher besonders, diesen kreativen Dialog in diesem Jahr zum 16. Mal als Partner zu begleiten.“

Zu den Partnern gehören der BVR (Bundesverband der Volksbanken und Raiffeisenbanken) und die EnBW (Energie Baden-Württemberg) und die Berliner Sparkasse. Ein besonderer Dank für die Plakatierung gebührt der Firma Ströer. Dem Deutschlandradio Kultur danken wir auch in diesem Jahr für sein Engagement, und den Medienpartnern Tagesspiegel, rbb Kulturradio und rbb Fernsehen, ZITTY sowie allen Unterstützern und Spendern.

 

 

Zum Programm: http://young-euro-classic.de/programm-2/

Tickets 16/22/25 Euro: erhältlich an allen bekannten Vorverkaufsstellen, auf http://young-euro-classic.de/service-2/tickets/oder per Hotline 030-8410 8909. Weitere Vorverkaufsstellen sind im Konzerthaus Berlin und im Kulturkaufhaus Dussmann.PI_Grenzen überwinden durch Musik

Kontakt: Sabine Schaub, 030 31 99 83 40, mobil: 0172 799 7566, s.schaub@schwindkommunikation.de

 



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